Warum Sie Ihre Medikamente angeben müssen

Eine der ersten Fragen bei der Anästhesiebeurteilung lautet: "Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?"

Diese Frage ist wichtiger, als die meisten annehmen. Alle eingenommenen Medikamente zu kennen, ist eine der Grundvoraussetzungen einer sicheren Narkoseplanung.

Gemeint sind dabei nicht nur verschreibungspflichtige Arzneimittel. Vitamine, pflanzliche Präparate, Sportpräparate und selbst als "natürlich" geltende Mittel können die Narkose und den Verlauf der Operation beeinflussen.

Anästhesie ist nicht nur Schlafenlegen

Anästhesie wird oft als Schlafenlegen verstanden. Tatsächlich ist die moderne Anästhesie ein komplexer Vorgang und umfasst:

  • Die Steuerung des Bewusstseins
  • Die Verhinderung von Schmerz
  • Die Führung der Atmung
  • Den Schutz von Herz und Kreislauf
  • Die Muskelentspannung

Die eingenommenen Medikamente können jede dieser Stufen beeinflussen.

Manche Medikamente erhöhen das Blutungsrisiko

Blutverdünner gehören zu den Wirkstoffgruppen, auf die wir vor einer Operation besonders achten, zum Beispiel:

  • Acetylsalicylsäure
  • Clopidogrel
  • Ticagrelor
  • Prasugrel
  • Warfarin
  • Rivaroxaban
  • Apixaban
  • Dabigatran

Sie können die Blutung während der Operation verstärken.

Wichtig ist dabei: Kein Patient sollte einen Blutverdünner eigenmächtig absetzen. Bei manchen Menschen ist es sicherer, das Medikament fortzuführen, als es abzusetzen. Die Entscheidung treffen das Operationsteam und die Anästhesie gemeinsam.

Diabetesmedikamente

Bei Diabetes eingesetzte Medikamente können eine besondere Planung erfordern, insbesondere:

  • Insuline
  • Metformin
  • SGLT-2-Hemmer
  • GLP-1-Agonisten (Ozempic, Mounjaro, Wegovy und ähnliche)

GLP-1-Präparate, die in den letzten Jahren auch zur Gewichtsreduktion verwendet werden, können die Magenentleerung verlangsamen und sind für die Narkose daher besonders bedeutsam.

Müssen Blutdruckmedikamente abgesetzt werden?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Manche sollen am Operationsmorgen eingenommen werden, für andere gelten andere Empfehlungen.

Die Haltung "Heute Morgen lasse ich die Tablette weg, ich werde ja ohnehin operiert" ist nicht richtig. Für jedes Medikament kann ein anderer Plan gelten.

Psychiatrische Medikamente

Auch Medikamente gegen Depression, Angsterkrankungen oder andere psychiatrische Erkrankungen sind bedeutsam, zum Beispiel:

  • Antidepressiva
  • Angstlösende Medikamente
  • Schlafmittel
  • Stimmungsstabilisierer

Sie können mit Narkosemitteln interagieren. Meist müssen sie nicht abgesetzt werden, sie müssen aber bekannt sein, damit richtig geplant werden kann.

Vitamine und pflanzliche Präparate sind nicht harmlos

Viele Patienten betrachten pflanzliche Präparate nicht als Medikamente. Manche können jedoch während einer Operation ernste Probleme verursachen.

Knoblauchpräparate

Können die Blutungsneigung erhöhen.

Ginkgo biloba

Kann blutverdünnend wirken.

Ginseng

Kann Blutzucker und Blutungsneigung beeinflussen.

Kurkuma und hoch dosiertes Curcumin

Kann die Gerinnung beeinflussen.

Johanniskraut

Kann die Wirkung von Narkosemitteln verändern.

"Ich nehme nur Vitamine" oder "Ich nehme nur Naturprodukte" genügt daher nicht. Jedes verwendete Präparat sollte genannt werden.

Sind Sportpräparate wichtig?

Ja. Besonders folgende sollten vorher beurteilt werden:

  • Kreatin
  • Fatburner
  • Leistungssteigernde Präparate
  • Testosteronpräparate
  • Muskelaufbaupräparate

Die Inhaltsstoffe mancher Produkte weichen von der Deklaration ab. Deshalb ist es wichtig, alle Präparate anzugeben.

Kortison unbedingt angeben

Eine langfristige Kortisoneinnahme kann den Narkoseplan verändern. Bei Patienten, die Medikamente wie

  • Prednisolon
  • Methylprednisolon
  • Dexamethason

regelmäßig einnehmen, können zusätzliche Maßnahmen erforderlich sein.

Welche Medikamente soll ich absetzen?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht, denn die Entscheidung hängt ab von:

  • Dem geplanten Eingriff
  • Dem Alter
  • Begleiterkrankungen
  • Der Art des Medikaments

Halten Sie sich daher an die Empfehlungen aus Ihrer eigenen Anästhesiebeurteilung statt an allgemeine Ratschläge aus dem Internet.

Was soll ich angeben?

Bringen Sie nach Möglichkeit eine Liste aller Medikamente mit. Nennen Sie unbedingt:

  • Verschreibungspflichtige Medikamente
  • Diabetesmedikamente
  • Blutverdünner
  • Blutdruckmedikamente
  • Psychiatrische Medikamente
  • Vitamine
  • Pflanzliche Präparate
  • Sportpräparate
  • Abnehmmedikamente und -spritzen

Ein scheinbar kleines Detail kann ein wichtiger Teil des Narkoseplans sein.

Der erste Schritt zu einer sicheren Narkose

Je mehr das Anästhesieteam über Sie weiß, desto sicherer und individueller kann der Plan sein.

Ihre Medikamente vollständig anzugeben, ist deshalb keine Formalität, sondern ein wichtiger Teil einer sicheren Operation.

Häufig gestellte Fragen

Ich nehme Vitamine. Muss ich das angeben?

Ja. Manche Vitamine und Präparate können die Gerinnung oder die verwendeten Medikamente beeinflussen.

Beeinflussen pflanzliche Präparate die Narkose?

Ja. Besonders Johanniskraut, Ginkgo biloba, Ginseng und Knoblauchpräparate sind bedeutsam.

Darf ich meinen Blutverdünner selbst absetzen?

Nein. Diese Entscheidung muss immer ärztlich getroffen werden.

Ich nehme Ozempic oder Mounjaro. Soll ich das sagen?

Unbedingt. Diese Medikamente können die Magenentleerung beeinflussen und sind für die Narkose bedeutsam.

Soll ich mein Blutdruckmedikament am Operationsmorgen nehmen?

Das hängt vom Medikament ab. Befolgen Sie die Anweisungen, die Sie erhalten haben.

Ich nehme nur Naturprodukte. Muss ich sie angeben?

Ja. Natürlich zu sein bedeutet nicht, dass ein Präparat die Narkose nicht beeinflusst.

Zuletzt aktualisiert: 2026-08-30